Der Wendehals - ein selten gewordener Gast unserer Streuobstwiesen

WendehalsWendehalsNur noch wenige aufmerksame Beobachter können ihn entdecken. Das liegt nicht an seiner hervorragenden Tarnung, die ihn an der Rinde eines Baumes sitzend fast unsichtbar machen. Denn hören kann man den nicht scheuen Vogel, der zur Familie der Spechte gehört, durch seine Rufe während der Paarungszeit eigentlich ganz gut. Das Problem liegt vielmehr darin, dass die Bestände des Wendehalses in seinem Lieblingshabitat Streuobstwiese in den letzten 30 Jahren stark abgenommen haben und der kleine Specht mittlerweile fast von der Bildfläche verschwunden ist. Wie kann das sein, mag man sich angesichts unserer herrlichen Streuobstwiesen in der Region fragen? Was hat sich so dramatisch verändert bei diesem etwas anderen Specht, der nicht trommelt, der in Höhlen brütet, sie aber nicht selbst baut, der seinen Kopf um 180 Grad wenden kann?

Entscheidend scheint die Nahrung zu sein. Der Wendehals ist ein Feinschmecker unter den Spechten und bevorzugt noch mehr als der Grünspecht Ameisen. Während der Brutzeit ist er ständig am Boden auf der Suche nach Wiesenameisen oder deren Larven und Puppen. Natürlich kann er auch auf Käfer, Spinnen und Raupen ausweichen, aber es zeigt sich ganz deutlich, dass er in Streuobstwiesen ohne ein Mindestvorkommen von Ameisen verschwindet. Ameisen nehmen aber in Wiesen mit zu häufiger Mahd, zu intensiver Nutzung oder gar Pestizideinsatz stark ab. Die besten Chancen ihn bei uns am Albtrauf anzutreffen hat man deswegen noch dort, wo nicht schon Anfang April die erste Mahd erfolgt und vor allem in Streuobstwiesen, wo Beweidung mit Schafen stattfindet. Hier bleiben immer wieder kleine Grasbüschel stehen, in denen sich Ameisen wohlfühlen. Wenn es dann neben schönen alten Obstbäumen auch noch wichtige Randstrukturen, Pufferzonen, Trockenrasen und Brachen gibt, fühlt sich der Wendehals, der als einziger unserer Spechte den Winter in Afrika verbringt, nach seiner Rückkehr Mitte April wohl. Gerne nimmt er auch Nistkästen an. Dabei geht er nicht zimperlich mit etwaigen schon vorhandenen Bewohnern um. Er frisst durchaus ein Meisengelege auf oder verfüttert sogar Jungvögel an die eigene Brut. Sein eigenes Revier verteidigt er energisch, auch gegen die anderen deutlich größeren Spechte. Jungvögel zeigen, wenn sie bedroht sind, schlangenähnliche Bewegungen und geben auch einen schlangenähnlichen Zischlaut von sich. Es bleibt zu hoffen, dass der interessante Jynx torquilla, wie er mit wissenschaftlichem Namen heißt, in unserer Region nicht völlig verschwindet.

NABU Imagefilm

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